(c) Christian Hostettler

KI | Cartography of Voice Emotions (UA)

Cartography of Voice Emotions (UA) von Alberto Arroyo und Inkonsequenza für virtuelles Ensemble (UA) von Tobias Schick

Das kleine, in rotes Leder gebundene Büchlein, das die brasilianische Gönnerin Lucia Moreira Salles der New Yorker Morgan Library 2008 vermachte, enthielt neben einigen handgeschriebenen Gedichten und dem frühesten erhaltenen Brief, den Oscar Wilde an seinen Liebhaber Lord Alfred Douglas abgesendet hatte, auch einen vierseitigen Antwortbrief Wildes an den Oxforder Studenten Bernulf Clegg aus dem Jahr 1891. In ihm schrieb der Autor des damals gerade erschienenen Skandalromans „Das Bildnis des Dorian Gray“ an seinen Bewunderer: „Kunst ist nutzlos, weil ihr Ziel einfach darin besteht, eine Stimmung zu erzeugen. Sie ist nicht dazu gedacht, in irgendeiner Weise zu belehren oder zur Handlung zu verführen.“

Von diesem Zitat ausgehend, möchte AuditivVokal Dresden zusammen mit dem Komponisten Alberto Arroyo, der Psychologin Prof. Dr. Maja Dshemuchadse und dem Philosophen Dr. Friedrich Hausen ein klingendes Werk realisieren, das sich mit Stimmungen, mit Emotionen und den digitalen Medien beschäftigt. Überlegungen zur künstlichen Intelligenz, zu Nutzeralgorithmen und zur immer engeren Vernetzung von menschlichen Nutzern und intelligenten Maschinen lassen die drei Protagonisten die zentrale Frage stellen: Wie wollen wir leben?

In der Uraufführung von Tobias Schick kann Musik etwas von der Wirklichkeit bewusst machen, indem sie hörbar macht, wie die Deutung der Wirklichkeit von kulturell, gesellschaftlich und biographischen vorgebildeten Deutungsmustern beeinflusst wird. Sie verweist damit auf einen erweiterten Begriff von „Intelligenz“, der über die Fähigkeit zur möglichst effizienten Problemlösung hinaus darauf zielt, sich in neuen Situationen zurechtfinden zu können und um die Ecke zu denken. Inkonsequenza für virtuelles Ensemble ist ein Stück, das als instrumentales Werk konzipiert wurde, aber von einem Vokalensemble realisiert wird. In diesem finden typisch instrumentale Gesten, Texturen und Klangsituationen Verwendung und werden auf die Stimmen übertragen. Dadurch werden die Konsequenzen der experimentellen Rahmenverschiebung für die menschliche Wahrnehmung anschaulich gemacht: Wie klingt ein virtuelles Instrumentalensemble anders als ein tatsächliches Instrumentalensemble? Wie klingt aber das virtuelle Instrumentalensemble auch anders, als man erwartet, dass es vielleicht klingt?

AuditivVokal Dresden 8er Besetzung

Starting out with the question “How do we want to live?“, AuditivVokal Dresden, com-poser Alberto Arroyo, psychologist Maja Dshemuchadse and philosopher Friedrich Hausen will realise a collaborative piece of ‘artistic research‘ that addresses the relevance of emotions for communicative information transfer. Tobias Schick’s ‚Inkonsequenza‘ was written as an instrumental work. However, for this world premiere, it will be realised by a vocal ensemble. We are faced with a shift of perceptual frameworks: How does the sound produced by a virtual instrumental ensemble differ from that of a real one?

Sonntag, 28. November 2021, 19.30 Uhr UA

(c) Christian Hostettler
28.11.2021, 20:00
Hygienemuseum Dresden

AuditivVokal Dresden

Proben- und Arbeitsatelier
  • AuditivVokal Dresden
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    01067 Dresden