„Wie lang ist die Nachhallzeit einer Panzerhalle?“ – eine Nachlese zu IN ALLEM FRIEDEN in Worten und Bildern

„Wie lang ist die Nachhallzeit einer Panzerhalle?“

Uns haben nach dem Konzert am 11. Oktober beim Heinrich Schütz Musikfest im Militärhistorisches Museum der Bundeswehr – MHM Dresden einige begeisternde Zuschriften erreicht, von der wir die literarische Betrachungen von Christine Maria Ruby hier gerne veröffentlichen möchten! Genauso grandios sind die fotografischen Impressionen und Interpretationen dieses Abends von Christian Hostettler. Herzlichen Dank an beide!
Hier nun der Text von Christine Maria Ruby:

„Wie lang ist die Nachhallzeit einer Panzerhalle?
Bis jetzt immerhin 11 Tage. Plus X.
Was ein Ensemble AUDITIVVOKAL und ein weiteres „Art d´Echo“ zusammen mit vier unerschrockenen Schlagwerkern unter der inspirierenden, behutsamen Leitung von Olaf Katzer in ein Militärmuseum getragen haben, ist hinaus geflogen in alle Gegenden, in denen die Zuhörer des Konzertes am 11. Oktober 18 wohnen.
Und sehr wahrscheinlich bleiben die magischen Klänge dieses Abends immer noch dort. Anders ist es nicht denkbar, so überbordend verhielt sich die Musik von Heinrich Schütz, seinen Zeitgenossen Heinrich Albert und Malachias Siebenhaar im Gleichflug mit der Komposition von Reiko Füting im Depot des MHM Dresden. Keine Frage, sie werden bleiben, schon, um der massierten Dumpfheit der Eisenmaschinen etwas Sinngewaltiges entgegenzusetzen. Aber sie fliegen auch aus, denn sie sind in der Lage, Nester zu bauen in den Köpfen der Zuhörer. So zaubern sie Wohngemeinschaften in Menschen, die Musik lieben, zum Leben brauchen, die so genial Musizierende verehren und sie am liebsten auf Händen trügen.
Den Veranstaltern wie den Ausführenden sei Dank für das Wagnis, diesen Gegensatz – Waffen \ Musik – zu inszenieren und auszuhalten. Wie selten ist es Aufgabe eines Soprans, sich über Geschützrohre hinweg zu erheben? Wann bekommt die tiefe Abteilung der Sänger den Auftrag, den verlorenen Boden unter den Höllenmaschinen zu singen?
Eins hat dieser Abend in Gänze bewiesen: Es lohnt, Undenkbares zu denken, Ungehörtes hörbar zu machen und kleine Feuer zu legen, wo gar kein brennbares Material vorhanden ist.
Selten dürfte es Heinrich Schütz so gut gegangen sein wie hier, an diesem Abend, im Militärhistorischen Museum Dresden. Und hoffentlich noch oft werden wir diese wunderbare Nachbarschaft von früherer Musik mit der heute erdachten erleben können.“

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