Vox populi. Der Klang der Demokratie / Informationen zum Projekt

Vox populi. Der Klang der Demokratie

Einführungstext

Wenn heute Bundestagswahl wäre: Was würden Sie dann singen?

Die Produktion „Vox populi?! Der Klang der Demokratie“ möchte in unterschiedlichen Formaten und unkonventionellen chorischen Ästhetiken Sänger*innen, Chor- und Ensembleleiter*innen, sowie allen weiteren Bürger*innen neue verschiedene Zugangsmöglichkeiten zu einer zeitgenössischen Vokalpraxis aufzeigen. In Verbindung mit der Idee der Stärkung demokratischer Ideen und Grundgedanken — für eine offene Gesellschaft und eine Ensemblekunst des 21. Jahrhunderts. Die Begegnung mit zeitgenössischer Gesangskunst unter demokratieförderndem Aspekt. Vox populi?! gibt Impulse in kulturelle und politische Landschaften für ein engagiert(er)es Miteinander, Allem und Jedem soll zum zeitgenüsslichen Singen und Hören verholfen werden. Es fordert und fördert die Kommunikations- & Demokratiefähigkeit unter Profis wie Laien. Das „Superwahljahr“ wird zum „Superuraufführungsjahr“: Elf Komponist*innen waren bereit, ehrenamtlich Werke zu schreiben, die den genannten Intentionen Rechnung tragen.

Wie klingt das für Sie? Wer ist denn die (eine) „Stimme des Volkes“?!

Anlass für die Produktion war die Einladung des Deutschen Chorverbandes, das von Rupert Huber und dem SWR Vokalensemble bei der chor.com 2015 initiierte Format „Frisch komponiert“ fortzusetzen. Die demokratiekritischen und -feindlichen Entwicklungen der letzten Jahre gerade in Sachsen, die ein deutliches Defizit in Sachen Bürger- und Demokratiekompetenz aufzeigen, legte die Entscheidung des Programmthemas „Der Klang der Demokratie“, unmittelbar vor der deutschen Bundestagswahl, fest.

Transformatives und nachhaltiges Wirken in die Gesellschaft und Chorlandschaft sind klar ausgesprochene Ziele, die Olaf Katzer und die Sänger*innen von AUDITIVVOKAL DRESDEN mit der Produktion „Vox populi. Der Klang der Demokratie“ in Konzerten und Workshops verfolgen.

So verschieden, heterogen und uneins die Menschen, so unterschiedlich sind auch die Werke, die das vorliegende Programm bilden und eine facettenreiche Vielfalt aktueller Kompositions- und Interpretationsästhetiken zeigen. So spiegeln sich die Vermittlung konstitutiver Grundgedanken „der“ Demokratie auf textlich-inhaltlicher, auf architektonisch-konzeptueller und nicht zuletzt auf performativer Ebener wider. Dabei findet jede*r Komponist*in ihre/seine eigene Auslegung freiheitlich demokratischer Musikdramaturgie — anhand von interaktiven Formaten, die das Publikum einbeziehen können (Christian Kesten, Steffi Weismann) oder interpretatorischen Prozessen, die den Sänger*innen ermöglichen „wählerisch“ zu sein (Peter Motzkus, Agnes Ponizil, Idin Samimi Mofakham, Amir Shpilman). Aber auch anhand von Vertonungen dezidiert demokratiefördernder und provozierender Texte (Michael Edward Edgerton, Harald Muenz, Richard Röbel, Gerhard Stäbler, Johannes Voit), die mit musikalischen Zitaten spielen, lassen sich die inhärent demokratischen Gedanken auffinden.

Die im Auftrag von AUDITIVVOKAL DRESDEN geschriebenen Kompositionen werden im Rahmen der chor.com am 15. September — dem Internationalen Tag der Demokratie — in den „Solistenfassungen“ uraufgeführt. Dem ursprünglichen Anliegen von „Vox populi?! Der Klang der Demokratie“ wird in mehreren Konzerten und Workshops beim Chorfestival „Meißen klingt“ (09. September) und im Albertinum Dresden (13. September) Rechnung getragen, da unter anderem das Junge Ensemble Dresden, der Seniorenchor der Singakademie Dresden e. V. und der Freie Chor Dresden sich der „Chorfassungen“ nämlicher Auftragswerke annehmen und die Frage in den Raum stellen:

Wenn Laien und Profis gemeinsam musizieren: Wen würden Sie wählen?

Informationen zu den Werken und Komponist*innen 

Michael Edward Edgerton (*1961)   sirene segmenti (2017, UA

sirene segmenti is an homage to Demetrio Stratos and a recognition of the United Nations “International Day of Democracy”. Since antiquity, sirens were amorously dangerous creatures, who, part-bird and part-woman, lured with their enchanting calls and songs to shipwreck on their rocky coasts. More fitting for my piece than Homer or Joyce, is a passage from a short story by Franz Kafka, The Silence of the Sirens (Das Schweigen der Sirenen, 1917). »Now the Sirens have a still more fatal weapon than their song, namely their silence. And though admittedly such a thing never happened, it is still conceivable that someone might possibly have escaped from their singing; but from their silence certainly never.«

Michael Edward Edgerton is at the forefront of vocal exploration by extending the technical and expressive capabilities of voice through the use of voice science and psychoacoustics. This approach has earned Mike considerable renown for those interested in the present and future of modern (experimental) voice. As a composer, Michael’s music coalesces diverse influences such as European avantgarde, American experimentalism, and world music into contexts that are informed by scientific models and metaphors. His artistic mission is to liberate those sounds that otherwise remain in danger of being overlooked or going unheard. He has published two books and scholarly articles on contemporary music and sound production, including The 21st Century Voice (22015). Edgerton is currently Associate Professor of Music Composition at the Guangxi Arts University. https://michaeledwardedgerton.wordpress.com/

 

Christian Kesten (*1966)   Das Megaphon (2017, UA)

Das Megaphon lehnt sich an ein Instrument des Occupy Movement an, das als „human microphone“ bekannt wurde: auch ohne Mikrophon und Elektrizität kann ein Individuum zur größeren Gruppe sprechen, indem die Umstehenden seine Rede als Gruppe wiederholen. In diesen Stücken haben einzelne Personen – aus dem Ensemble, dem Chor oder dem Publikum – die Möglichkeit eine Botschaft zu übermitteln. Diese STIMME DES*DER EINZELNEN wird von den VERSTÄRKER*INNEN in Klang übersetzt und findet in den Chorgruppen ihre RESONANZ. Für die Übersetzung in Klang gibt es verschiedene Regeln und Wahlmöglichkeiten, sodass alle Beteiligten am Stück im Moment seiner Aufführung verantwortlich mitwirken.

Christian Kesten ist Komponist, Regisseur, Klang- und Intermedia-Künstler, Vokalist und Performer. Sein künstlerisches Interesse gilt dem „Dazwischen“, den Zwischenräumen zwischen Musik und Theater, Musik und Sprache, zwischen Musik und Bildender Kunst. Er erforscht die Verbindungen von Klang und Aktion, Musik und Skulptur, die Durchdringung von Klang und Stille, Klang und Raum.
Seine international präsentierten Solo-Performances arbeiten mit Stimme, Körper, Objekt, Video/Film und Zuspiel/Fieldrecordings. Er erhielt Kompositionsaufträge von Ensembles wie Object Collection New York, Rue du Nord Lausanne, dem Solistenensemble Kaleidoskop Berlin und anderen, mit denen er abendfüllende Werke in Bühnenräumen wie Radialsystem V Berlin oder Schauspielhaus Wuppertal realisierte. Daneben entwickelte er ortsspezifische Arbeiten für Bahnhöfe, Kellerräume oder die drei Fahrstühle des Museums Moderner Kunst Wien. Weitere Informationen: www.christiankesten.de

Peter Motzkus (*1986)   zweitstimme 598. mdb krähwinkel (2017, UA)

die interpret*innen selbst demokratische entscheidungsprozesse durchleben zu lassen ist das ziel der zweitstimme 598.mdb krähwinkel es setzt voraus, dass sich die vokalist*innen vorab der aufführung darüber absprechen, was für lieder, liedteile u/o sonstige musikstücke miteinander, zu- und gegeneinander gesungen werden wollen. die aufführung selbst wird wiederum zu einer interaktiven gestaltung führen, die auch das publikum einbezieht, um den gemeinsamen »vielklang der stimmen in unserer demokratie hörbar machen« zu können (dr. frank-walter steinmeier, bundespräsident der bundesrepublik deutschland, 12.02.2017). aber wie demokratisch ist wählen eigentlich..?

Peter Motzkus lebt und arbeitet seit 2006 in Dresden, wo er bis 2011 an der Hochschule für Musik Carl Maria von Weber Komposition studierte. Im Anschluss folgte ein Studium der Musik- und Kulturwissenschaften, sowie der Sprach- und Literaturwissenschaften an der HfM und der Technischen Universität Dresden. Von 2014–2017 war er Lehrbeauftragter für Musikwissenschaft an der Dresdner Musikhochschule. Seit 2016 ist er als Dramaturg und Programmdirektor bei AUDITIVVOKAL DRESDEN tätig. Motzkus’ künstlerisches wie wissenschaftliches Forschungsinteresse gilt der Beziehung zwischen Musik und Narration, derer er sich in filmmusikalischen, transkulturellen und zeitgenössischen (Vokal)Musikstudien und als Konzertdramaturg in der Verzahnung von Wissenschaft und künstlerischer Praxis widmet.

Harald Muenz (*1965)   des volkes weise. ein spottchor (2017, UA)

Der Spottchor des volkes weise ist eine Reaktion auf derzeit weltweit wieder verstärkt grassierende antidemokratische und populistische Tendenzen, die mit eingängigen, simplifizierenden, repetitiven, nationalistischen und diskriminierenden Parolen auf Menschenfang gehen – und damit leider sogar teilweise „Erfolge“ erzielen. Redundante Floskeln wechseln sich mit scheinbar bekannten Musikzitaten ab.

Die Schraube der Tonalität dreht sich dabei unaufhörlich weiter. (Das wird man ja wohl noch sagen dürfen!

Harald Muenz studierte Komposition bei Helmut Lachenmann, Johannes Fritsch, Clarence Barlow, Krzysztof Meyer, Hans-Ulrich Humpert und Martin Redel, außerdem am Detmolder Tonmeisterinstitut sowie Italienisch und Phonetik (Georg Heike) an der Kölner Universität. Muenz widmet sich besonders Sprachkomposition, Ars Acustica und Instrumentalmusik mit und ohne Live-Elektronik. Mit Sigrid und Georg Sachse bildet er das Trio sprechbohrer, das Sprechkunst aus musikalischer Perspektive aufführt. Seit 2005 pendelt Muenz als Sparten übergreifender Künstler zwischen Köln und London, wo er Komposition am Centre for Contemporary Music Practice der Brunel University unterrichtet.

Weitere Informationen: www.haraldmuenz.eu

Agnes Ponizil (*1969)   …über die Würde des Menschen (2017, UA)

Die Komposition verwebt Texte über Demokratie von Dorothee Sölle, Fulbert Steffensky, dem Renaissance- Autoren Pico della Mirandola sowie Texte aus Lexika und Nachschlagewerken. Ein demokratischer Prozess mit Wahlfreiheit wohnt dem Mittelteil der Komposition inne, das heißt, die Interpreten müssen im Laufe der Komposition wählen, welche musikalisch-textliche Linie sie verfolgen. So können die Interpreten mitentscheiden, welche Form es annehmen wird, wie dieser Teil endet.

Die gebürtige Dresdnerin studierte in Dresden und Wien Komposition (Diplom), Jazz-Gesang und Musiktheaterregie. Als Komponistin und Vocalimprovisatorin wirkt sie seit 1987 in verschiedensten nationalen und internationalen Projekten, Ensembles und bei internationalen Festivals mit.
Viele ihrer Kompositionen beziehen Improvisation als intuitiv entstandenes Ausgangsmaterial oder als interaktive Arbeitsweise mit ein. Weitere Informationen: www.agnesponizil.de

Richard Röbel (*1988)   Mit-Be-Stimmung (2017, UA)

Mit-Be-Stimmung thematisiert verschiedene Grade der Verschmelzung und Spaltung des Chorklanges. Das Verhältnis zwischen vokaler Individualität und ihrer stimmlichen Einebnung im Massenklang schafft eine assoziative Verwandtschaft zu demokratischen Mitbestimmungsprozessen. Grundlage des Werkes bilden Klanganalysen von vokal aktiven Menschenmassen, deren Klangmorphologie alles andere als gleichgeschaltet zu bezeichnen ist. Die utopische Suche nach einer Metastimme — einer akustischen vox populi — wird in verschiedenen Nuancen erlebbar. Mit-Be-Stimmung verwendet Texte über Volkssouveränität und -majorität, und Auszüge aus dem Bundesgesetz über die Mitbestimmung der Arbeitnehmer.

Richard Röbel wurde 1988 in Karl-Marx-Stadt geboren. 2009 begann er ein Studium mit den Hauptfächern Komposition (Mark Andre, Manos Tsangaris), Musiktheorie und Klavier an der Hochschule für Musik Carl Maria von Weber Dresden, das er mit Auszeichnung abschloss. Er erhielt das Förderstipendium der Sächsischen Mozart-Gesellschaft e. V. (2006), das Deutschlandstipendium der Dresdner Musikhochschule (2012), sowie den Förderpreis für junge Komponisten und Musikwissenschaftler des Sächsischen Musikbundes (2013) und wurde von der Bundesministerin für Bildung und Forschung für seine kompositorischen Leistungen ausgezeichnet. Seine Werke wurden unter anderem von ensemble recherche, der Dresdner Philharmonie, AUDITIVVOKAL DRESDEN und beim Dresdner TonLagen Festival, next generation Karlsruhe oder zum 250-jährigen Jubiläum der Hochschule für Bildende Künste Dresden aufgeführt.

Idin Samimi Mofakham (*1982)   ReSearch (2017, UA)

ReSearch, a piece dedicated to AUDITIVVOKAL DRESDEN, presents my subjective approach to the concept of democracy. Unlike most of my compositions, this composition’s basis gives freedom of choice for the performers in choosing the performed material and technique type. The only limitation is the material presented in the piece – a subjective choice of composer – me. Conductor as the leader of the ensemble organizes “the freedom” which was given to the artists. But is that really a democracy? Is that really a freedom? And who is the real leader in the organization?

Idin Samimi Mofakham, Iranian composer and musician, was born in 1982 in Tehran, Iran from one of the most famous Iranian artistic families. He began music by learning classic guitar playing at the age 18 and later enrolled at the Tehran Conservatory where he received his B.A. in Classic Guitar; (2003-2005). Samimi Mofakham have received several awards and honors for his instrumental and vocal (choir and solo) pieces including Honorary Diploma from Composers Union of Armenia for Monologue for Violin solo. He is a permanent member of Iranian Society of Composers and tutor of Superior Music schools and colleges in Tehran. Weitere Informationen: www.idin-samimi.com

Amir Shpilman (*1980)   Malleable Images (2017, UA)

Diese „formbaren Bilder“ arbeiten mit den einfachst möglichen Mitteln musikalischer Raum- und Zeitgestaltung: ein Ton fächert sich sukzessive zu einem chromatischen Cluster auf, schraubt sich in die Höhe, weitet und entfernt sich, und geht wieder zu seinem Ursprung zurück. Die Malleable Images sind ein Weiter- und Andersdenken des DemocraCycle, den Amir Shpilman für das diesjährige 3. Chorfestival Meißen klingt komponiert hat. Den Sänger*innen werden Wahlmöglichkeiten der Bilder- und Reihenfolge ebenso geboten, wie die interpretatorische Freiheit der Ausführung derselben.

Amir Shpilman began his musical journey at the age of 12 as a percussionist and his composition studies with Prof. Efim Yofe in Tel Aviv, Israel at the age of 17. Shpilman received his Masters from the HfM Dresden with Mark Andre and Manos Tsangaris and his Bachelor’s at the City University of New York with Jason Eckardt and Tania Leon. He possesses a particular interest in chaotic forms as they are expressed through artistic means. Fascinated by shapes that synthesize the inherent multiplicity of music, while reflecting back a unified vision or idea, he aspires to translate the relationship between structure and volatility to authenticity in performance through compositional process. Weitere Informationen: www.amirshpilman.com

Gerhard Stäbler (*1959)   Ein’ große Hilfe war uns sein Maul. Ein Hitlerchoral (1980/2017, UA)

Zur Zeit der Bundestagswahl 1980 waren die »Hitlerchoräle« als satirischer Beitrag für eine Wahlrevue vorgesehen, die jedoch wegen aktuell wichtiger Aktivitäten wie Schilderaufstellen, Plakate kleben, Straßen-aktionen planen etc. nicht mehr rechtzeitig fertig wurde. So fand die Uraufführung der »Hitlerchoräle« schließlich in Essen am 5.3.83 statt, dem Vorabend der nächsten Bundestagswahl bzw. am 50. Jahrestag der letzten Reichstagswahl vor der endgültigen Errichtung der Hitler’schen Diktatur. Das Werk wurde für Vox populi neu von Olaf Katzer in Zusammenarbeit mit Gerhard Stäbler eingerichtet – und bietet auch eine Reminiszenz an 500 Jahre Reformation.

Gerhard Stäbler studierte Komposition (bei Nicolaus A. Huber) und Orgel (bei Gerd Zacher) in Detmold und Essen und lebt seither als freischaffender Komponist — zunächst im Ruhrgebiet und seit Mitte 2011 in Düsseldorf und am Niederrhein. Von 2000 bis 2010 leiteten Gerhard Stäbler und Kunsu Shim das Duisburger Zentrum für zeitgenössische Musik EarPort. Seit 2012 veranstalten die beiden Komponisten eine Serie von Performancekonzerten an der Kunsthalle Düsseldorf und die Konzertreihe Natürlich schön! mit Interaktionen zwischen alter und neuer Musik im Düsseldorfer Schloss Benrath. Die aktuelle Thematik der Flüchtlingspolitik griff Stäbler im Tanztheater „… auf dem Weg“.

Weitere Informationen: https://gerhard-staebler.de

Johannes Voit (*1980)   mundgerecht (2017, UA)

Populistische Sprüche scheinen in unseren „postfaktischen“ Zeiten wieder Hochkonjunktur zu haben. In vorauseilendem Gehorsam versuchen Politiker*innen – nicht nur populistischer Parteien – vermeintliche Stimmungen des Volkes aufzugreifen und in markante Slogans zu gießen. Gemein ist diesen Parolen, dass sie vordergründig Zustimmung heischen, dass sie jedoch umso mehr Fragen aufwerfen, je genauer man sie hinterfragt. In seiner Komposition „mundgerecht“ lädt Johannes Voit die Sänger*innen ein, sich solche Slogans im wahrsten Sinne des Wortes auf der Zunge zergehen zu lassen: Sie werden dekonstruiert, atomisiert, ästhetisch beforscht und neu zusammengesetzt, bis die scheinbare semantische Eindeutigkeit einer Komplexität möglicher assoziativer Bedeutungskonstruktionen gewichen ist.

Die Wege zur Musik sind so vielfältig wie die Hörer mit ihren jeweils eigenen Hörbiografien. Daher entwickle ich Konzepte, die diesen unterschiedlichen Voraussetzungen und Bedürfnissen Rechnung tragen und eine Vielzahl von Zugangsweisen ermöglichen – sinnlich, intuitiv, wissenschaftlich, interdisziplinär. Als freischaffender Künstler und Musikvermittler durfte ich vielfältige Erfahrungen in Kultur- und Bildungseinrichtungen sammeln, etwa als Mitarbeiter der Hochschule für Musik Dresden, musikalischer Assistent am Staatsschauspiel Dresden, Opernchorsänger an verschiedenen Theatern sowie als Chorleiter. 2015 wurde ich auf eine Juniorprofessur für Musikvermittlung an der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe berufen. Zudem bin ich am Max-Reger-Institut für den Bereich Musikvermittlung zuständig. Weitere Informationen: www.johannesvoit.de

Steffi Weismann (*1967)   Fountain (2017, UA)

Diese notierte Partitur ist ein Konzentrat. Es besteht einerseits aus Elementen der Soundperformance Fountain, mit der Steffi Weismann seit 2008 experimentiert, und enthält andererseits eine neue Ebene mit Stimmen und Interaktionen, die sich zwischen den Performer*innen und dem Publikum abspielt. Der soziale Aspekt mit dem Teilen von Ressourcen (Wasser als Gemeinschaftsgut) ist als Subtext in Fountain implizit; auch der Hinweis, dass der Kreislauf in der Gruppe zum Stocken kommt, weil ihn zwei Personen für sich alleine beanspruchen.

Geboren 1967 in Zürich, besuchte Steffi Weismann die Schule für Gestaltung Zürich und studierte von 1989-1995 an der Hochschule der Künste Berlin Bühnenkostüm/Bühnenbild und experimentelle Musik. Seit 2004 beschäftigt sie sich mit den Schnittstellen von analogen und digitalen Medien in Performances, Installationen und Kompositionen. Dialogische Spielstrukturen, Manipulationen des „Live-Moments“ und die Balance zwischen Kontrolle und Kontrollverlust sind wesentliche Merkmale ihrer künstlerischen Arbeiten. Interventionen im Außenraum, mobile Audioperformances und der Umgang mit DIY-Technologien bilden dabei einen wichtigen Schwerpunkt. In letzter Zeit arbeitet sie an Modellen der Partizipation im Bereich der zeitgenössischen Musik und Klangkunst. Weitere Informationen unter: www.steffiweismann.de

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