Portraitbild Felix Schwandtke

Felix Schwandtke

Der junge Bass Felix Schwandtke stammt aus dem sächsischen Freiberg und kam über den Chorgesang zur Musik. Nach ersten musikalischen Erfahrungen im Freiberger Knaben­chor wechselte er ans Sächsische Landesgymnasiums für Musik in Dresden. Seit 2008 studiert er an der Hochschule für Musik Dresden, gegenwärtig in der Gesangsklasse von Matthias Henneberg sowie in der Liedklasse von Olaf Bär.

Auf der Opernbühne sang er bisher den Geharnischten in der Zauberflöte, Balthasar in Schumanns Genoveva, sowie Osmin in einer Kinder-Fassung der Entführung am Mittelsächsischen Theater. In der Rolle des Belesius war er beteiligt an der erstmaligen Wiederaufführung der Barockoper Sardanapalus von Christian Ludwig Boxberg im Ekhof-Theater Gotha. Diese Produktion wurde im Jahrbuch der »opernwelt« als Wiederentdeckung des Jahres 2012 gefeiert.

Eine langjährige und intensive Zusammenarbeit verbindet ihn mit dem Dresdner Kammerchor und dessen Chefdirigenten Hans-Christoph Rademann. Im Rahmen der ersten Gesamteinspielung der Werke Heinrich Schütz‘ übernimmt er in CD-Produk­tionen und Konzerten regelmäßig die Basspartie; zuletzt bei den Psalmen Davids bei der Bachwoche Ansbach, den Musikalischen Exequien zur Eröffnung der chor.com in Dortmund oder der Weihnachtshistorie im Konzerthaus Berlin. Darüber hinaus arbeitet er mit weiteren namhaften Dirigenten der Alten Musik wie Andreas Spering (Bachkantaten bei den Brühler Schlosskonzerten) oder Ludger Rémy.

Einen anderen Schwerpunkt seiner künstlerischen Tätigkeit bildet die zeitgenössische Vokalmusik. Er ist Mitglied im Ensemble AuditivVokal Dresden, das in unkonven­tionellen Konzertproduktionen den Reichtum der sängerischen Ausdrucksmöglichkeiten erschließt. Weiterhin wirkte er in Produktionen zeitgenössischer Opern mit; so z.B. bei der Uraufführung des Opernduos Dinner For One – Der Narr im Waisenhaus im Rahmen einer Kooperation von Sächsischer Staatsoper Dresden und Hochschule für Musik Dresden sowie in Wolfgang Mitterers Das tapfere Schneiderlein im Kleinen Haus des Staatsschauspiels Dresden.

Für die nähere Zukunft sind in Planung: Konzerte mit der Dresdner Philharmonie unter Markus Poschner als Gefangener in einer konzertanten Aufführung des Fidelio, sowie im Rahmen der Schütz-Gesamteinspielung die CD-Produktion des dritten Teils der Symphoniae Sacrae.

 

Woher kommst Du gerade?
Vom Kühlschrank (in dem die Flasche Bier stand, die mir nun zur Inspiration gereichen mag bei der Beantwortung der folgenden Fragen).

Was ist Dein Lieblingston/geräusch?
Ein ablehnend-kopfschüttelndes „Mhmm, mhmm“ aus „Nein allein“ von Carola Bauckholt. Bei den Kollegen hat dies winzige Solo oft große Erheiterung ausgelöst. Wobei dieses herrliche Stück generell nicht arm an heiteren Passagen ist.

Welcher Ort in Dresden spiegelt Dein AV-Gefühl wieder?
Am ehesten wohl das Leonhardi-Museum im schönen Loschwitzgrund, das AuditivVokal schon oft als Konzertort bespielt hat. Und in der jüngsten Vergangenheit ist natürlich das AuditivAtelier hinzugetreten, diese kuriose Mischung aus Ladenlokal, Probenraum und gemeinschaftlichem Wohnzimmer.

Wenn man Musik als Nahrung betrachtet, welches Gericht wäre AV?
Irgendetwas aus dem Molekularküchen-Repertoire. Es wird serviert, was auf den ersten Blick vertraut scheint, sich beim weiteren Hinschmecken, -fühlen oder -hören aber als auf spannende Weise irritierend herausstellt: In jedem Falle etwas, das ungeheuer nützlich ist beim Hinterfragen und Neujustieren der alten, lieb gewonnen Wahrnehmungsschemata.

Was war Dein erstes Projekt bei AV?
Interessanterweise eines mit ausschließlich Alter Musik, nämlich der „Missa Da Pacem“ von Josquin Desprez. 

Gibt es ein Bildungserlebnis, dass Du mit AV verbindest?
Wenn dies als Bildungserlebnis durchgeht, dann wohl die Anekdote, wie das Zungen-R zu mir kam: Ich hatte den Laut als Kind nicht gelernt und begann erst zu Anfang meines Gesangsstudiums wirklich konzentriert an diesem Defizit zu arbeiten. Am Ende waren es Monate oder gar Jahre, in denen meine Sprecherzieherin und ich an dieser Aufgabe schier verzweifelten – der Knoten wollte einfach nicht platzen. Es begab sich dann auf dem Rückflug von einer Asientournee des Dresdner Kammerchores, dass ich mit Olaf die Noten für ein damals anstehendes Auditiv-Projekt besprach. In einem der Stücke erwarteten mich taktlang gerollte R’s. Ich sagte ihm, dass ich dies unmöglich bewerkstelligen könne. Meine Unfähigkeit wollte ich ihm sogleich mit einem meiner wie immer nach ein, zwei Zungenschlägen ersterbenden R’s demonstrieren – und ließ ihn zu meiner großen Überraschung mein erstes anständig gerolltes R hören.

Was tust Du am liebsten vor und nach einer AV-Probe?
Davor: Ich würde gern diejenige Straßenbahn nehmen, mit der ich entspannt und ohne zu hetzten ein paar Minuten vor Probebeginn da wäre. Meistens wird’s aber die danach. Insofern eher ein hehrer Wunsch, denn Beschreibung der Realität. Danach: Naja, was soll man sagen, Brennnessel, Schießhaus oder Riesa.

In welchem Zustand hinterlässt Dich zeitgenössische Musik?
Verwirrt, aufgewühlt, im schlimmsten Falle gelangweilt, im besten Falle völlig begeistert.

Improvisiere ein Stück ! (Video?) / Zeichne ein Bild!
Antwort folgt…

Was würdest Du gern in Zukunft mit AV umsetzen?
Vor allem viel Musiktheatrales. Und die immer wieder reizvolle und ergiebige Kombination von ganz alter und ganz zeitgenössischer Musik.

Wie erklärst Du, was Du bei AV tust, deinen Eltern, Freunden…???
Wir machen da zeitgenössische Vokalmusik ohne Instrumente. Was und wie es genau wird, kann ich Dir vorher immer nicht sagen. In jedem Falle wird es irgendwie lustig und irgendwie gut.

Neue Musik in Dresden ist wie…!
… eine ungeschälte Banane auf einer Pizza Margherita.

Welchen Ton / Welches Geräusch möchtest Du unbedingt mal in einem AV-Konzert machen?
Einen Finger-Backen-Plop. Richtig laut in die Stille hinein. Dafür müsste ich allerdings noch ein bisschen üben. Meine Ausführungen klingen noch eher verhalten.

Wohin gehst Du jetzt?
Ins Bett.

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